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2004 - IBA

Infobahn Australia (Online), Sonja Goernitz, "Bewerbungen in Australien - Resume Writing", May 2004 (re-published August 2009)
Bewerbungen in Australien  Resume Writing
 
In Australien sehen Lebensläufe anders aus:
 
Briefkopf
Kein Photo und kein Geburtsdatum. Danach zu fragen, wäre diskriminierend. Auch kein Geburtsort und keine Staatsangehörigkeit, Religion und Familienstand schon gar nicht. Stattdessen stehen dort der Name (möglichst oben rechts, damit er im angelsächsischen Ablagesystem leicht gefunden wird), die Adresse, die Telefonnummer (nicht zu viele, und nur die, unter denen der angerufene Bewerber* frei sprechen kann) und die E-Mail-Adresse (möglichst keine kostenfreien). Für einige Bewerbungen (z.B. in IT) kann eine eigene Website nützlich sein, meistens wird sie jedoch nicht verlangt.
Soviel zum Briefkopf, wobei der Name eine Zeile einnimmt. Alles Weitere darin kann der Bewerber in ein bis zwei Zeilen schreiben, um Platz zu sparen, da der Lebenslauf nicht mehr als eine Seite umfassen soll, zwei nur, wenn unbedingt notwendig – dabei beachten: Er soll lesbar bleiben, also viel weißen Raum lassen und die Schriftgröße nicht zu klein wählen. Die Personalreferenten überfliegen die Lebensläufe in Sekunden und wollen zunächst einen übergreifenden Eindruck erhalten.
 

Berufsziel
Unter dem Briefkopf folgt das Berufsziel als „Job Objective" oder „Career Objective". Entweder schreibt der Bewerber darunter sein Langzeitziel oder den Job, den er als nächsten anstrebt. Diese Angabe soll möglichst präzise sein, ohne „um meine Kenntnisse einzubringen und zu erweitern" – das wollen viele. Statt des Berufsziels kann der Bewerber auch seinen eigenen Beruf aufschreiben, zum Beispiel „Dokumentar", wenn mit der Stellenausschreibung ein Dokumentar gesucht wird.

 
Qualifikationen
Nun folgt eine übersichtliche Zusammenfassung der Fähigkeiten („Summary of Qualifications") in etwa drei bis fünf Spiegelstrichen, die diese Fragen in Kurzsätzen beantworten: Anzahl der Jahre Berufserfahrung in dem Bereich, eine Errungenschaft, die zeigt, dass der Bewerber begabt für diese Arbeit ist, und ein Zitat von jemandem, der auf den Bewerber positiv aufmerksam wurde. Weiteres, z.B. Computer- und Sprachkenntnisse können genannt werden, wenn sie für die Stelle, um die es geht, relevant sind.
 
Lieber chronologisch
Im Weiteren gibt es zwei Möglichkeiten: entweder chronologisch oder funktional. Viele Firmen ziehen die chronologische Form vor, da sie sehen, wie sich der Bewerber beruflich entwickelte. Die Jahreszahlen stehen ohne Monatsangabe links, daneben die Firma, die Stadt und die Berufsbezeichnung.
 
Professional Experience
Darunter – und das ist auch anders als im deutschen Lebenslauf – stehen die Errungenschaften (Professional Experience), die der Bewerber bei diesem Job erreicht hat; worauf er stolz ist, wie er eine schwierige Situation löste/eine Herausforderung bewältigte, wie er seine Firma oder Kunden zufrieden stellte und wie jemand auf seine Talente aufmerksam wurde (z.B. Zitat, Auszeichnung). Darunter kommt der zweite Eintrag für die vorherige Beschäftigung, dann der dritte usw. Alles in Tabellenform mit dem Text in möglichst vielen Spiegelstrichen, um Platz zu sparen und ihn lesbarer zu gestalten.
Die aktuelle Arbeit steht oben, die Reihenfolge ist also „rückwärts" mit dem ersten Job ganz unten. Dabei können Daten zusammengefasst oder weggelassen werden. Lügen ist allerdings nicht erlaubt.
 
Für Newcomer
Der funktionale Lebenslauf ist günstig für Hochschulabsolventen oder Bewerber, die mit vorigen Jobs nicht, dafür mit anderen Leistungen glänzen können.
Bewerber schreiben unter der Job Objective die Kategorie z.B.„Professional Experience", darunter eine Hauptqualifikation, die für die Arbeit wichtig ist, für die sie sich bewerben, zum Beispiel „Management". Dann folgen in Spiegelstrichen die Schritte wie im chronologischen Lebenslauf: Auf welche Management-Leistung ist der Bewerber stolz? Wie löste er eine Management- Schwierigkeit? Wie stellte er andere mit seinem Management zufrieden? Wie wurde jemand auf sein Management-Talent aufmerksam? Darunter schreibt der Bewerber eine zweite Qualifikation, z.B. „Communication", und wieder die Schritte Errungenschaft, Problemlösung, Zuarbeit und Zitat/Award. Alles zeigt, wie erfolgreich der Bewerber seine jeweilige Qualifikation anwendet. Beim funktionalen Lebenslauf folgt eine Tabelle mit der „Career History" (nur für bezahlte Arbeit, dagegen steht „Work History" für un-/bezahlte Arbeit. Diese Unterscheidung wird ernst genommen.) In der Tabelle stehen die Jahreszahlen, die Arbeitsbezeichnung (z.B. Redakteur), die Firma, die Stadt und das Land, z.B. Bremen, Germany. Schließlich folgen Angaben zu zwei bis drei Referenten, welche die Firma anrufen und nach den Qualifikationen des Bewerbers fragen kann. Sie rufen tatsächlich an!
 
Platz sparen

Name, Firma, Position in der Firma, Telefon und E-Mail, wobei der Bewerber generell Platz spart, indem er Kategorie-Bezeichnungen (z.B. „Email") weglässt, da der Leser erkennt, dass ein @ auf eine Email-Adresse hinweist. Die Einträge für das Studium (Abschluss, Universität, Stadt, Land, Jahr des Abschlusses) stehen ganz unten auf der Seite beim chronologischen Lebenslauf, beim funktionalen können sie direkt der „Career Objective" folgen.

Es können Hobbys angegeben werden, wenn sie sich auf den Berufswunsch beziehen oder ein Engagement im Team zeigen. Wichtig ist die Notiz am Ende, welche Arbeitserlaubnis der Bewerber für das Land hat. Zum Schluss folgen weder Datum noch Unterschrift.

 
Generell gilt
Es ist keine Lebensgeschichte, es ist auch keine Auflistung der Vergangenheit, sondern eine auf den einen Job, der unter „Job Objective" ganz oben steht, zugespitzte Bewerbung. Ein Flugblatt, das zukunftsorientiert geschrieben ist, das zeigt, der Bewerber hat genau die Qualifikationen für diese ausgeschriebene Stelle. Der Bewerber guckt nicht zurück und zählt auf, sondern schaut nach vorn und zeigt, was er kann, was für genau diese neue Stelle relevant ist – und nur das. Zudem sollen Daten von Jobs weggelassen werden, die der Bewerber nicht wieder machen möchte oder die ungünstig auf sein Alter hinweisen können.
 
Anschreiben

Das Anschreiben soll keine Wiederholung des Lebenslaufs sein, sondern mit einem griffigen Einstieg beginnen, dann zeigen, dass der Bewerber für die Stelle qualifiziert ist, schließlich klären, wer wen für den Termin zum Vorstellungsgespräch („Interview") kontaktiert. Dann ein kurzes Dankeschön.

Insgesamt sollte das Anschreiben eine persönliche Note setzen und Floskeln wie „Bitte finden Sie anbei meinen Lebenslauf" vermeiden; dafür reicht der Eintrag „Resume" unter Unterschrift/Namen als Hinweis auf die Anlage.

 

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