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2005 - ZEIT 1

DIE ZEIT (Online), Sonja Goernitz, commissioned series (Part 1/3), "Stop-Over - 24 Stunden in Sydney", January 2005

Stop-Over - 24 Stunden in Sydney

 
Sydney liegt weit weg von Europa in einer Bucht am Pazifik und ist das Ziel vieler Auswanderungswilliger. Hier verbinden sich wie in wenigen anderen Städten Wirklichkeit und Ideal. Für alle, die diesem Traum nahe kommen möchten: drei Vorschläge, wie man die Stadt in einem, drei oder sieben Tagen erobern kann. Oder sich von ihr erobern lässt.
 
Es kommt selten vor, dass jemand nur 24 Stunden in Sydney verbringt. Aber wer das tut, sollte schnell seinen Jetlag vergessen, einchecken, das Gepäck abstellen und zum Opernhaus losgehen.

Von der Central Station kommend bummelt man die George Street mit ihren Geschäften rechts und links hinunter. Dabei den Weg durchs hübsch-historische Queen Victoria Building (QVB) gegenüber der Town Hall wählen und in die Schaufenster der edlen Designerläden gucken, hier und da ein Schnäppchen landen. Unterwegs frische Sushi mit scharfem Wasabi im weißen Stehimbiss essen - eine Rolle für 1,60 Dollar oder drei Rollen für fünf - und am Circular Quay, der Hanseaten an die Hamburger Landungsbrücken erinnert, Halt machen.

Der Blick geht über die Bucht mit der Harbour Bridge auf der rechten Seite und dem Opernhaus auf der linken. Am Kai stehen Straßenkünstler, oft diese silbernen oder goldenen Menschen, die für etwas Kleingeld reglos verharren. Dann flott weiter zum Opernhaus, an den Restaurants und Cafés vorbei, dem Gebäude, das zur Olympiade gebaut wurde und wegen seiner rechteckigen Form Toaster genannt wird. Die Treppen hinauf zu den weißen Segeln steigen, die Türen öffnen und ins Opernhaus hineingehen, die schlichte Architektur von innen betrachten und vielleicht einen Orangensaft an der Bar trinken. Aber nicht zu lange, denn die Zeit drängt.

Wer gern in Ruhe isst, kann eines der Restaurants am Wasser wählen, wer lieber schnell mehr sehen möchte, nimmt nur einen Imbiss, ein Sandwich oder einen Kaffee mit einem Muffin an Bord einer der Fähren wie der Friendship .

In einer halben Stunde überholt man rechts das Opernhaus, links das Haus des Premiers, sieht Ufer mit Häusern in beneidenswerter Hanglage, das viele Grün der Palmen und natürlich Segelschiffe und Motorboote, bevor man selbst am Manly-Hafen anlegt. Nein, die Strände dort sind noch nicht das Ziel, auch wenn sie schon so aussehen mögen. Einfach geradeaus durch, über die Kreuzung rüber und dann durch die Fußgängerzone in zehn Minuten zum schönen, weiten Strand von Manly. Herrlich! Er wird nicht so stark besucht; bei Regen oder zur Arbeitszeit ist der Strand sogar fast leer.

Ein Bad in den Wogen belebt und euphorisiert. Nur vorsichtig sein und gut eincremen! Nach drei Stunden am Manly Strand ohne Sonnenschutz ist die Haut krebsrot. Ein Spazierweg zur Rechten führt zu einer Bucht mit einem weiteren kleinen Strand, wo oft Brautpaare mit ihrer Gesellschaft - die Brautjungfern meist in rot oder rosa - mit Büffet und Fotografen feiern. Weiter dem Weg folgend erreicht man eine Klippe, von der sich manchmal Lebensmüde stürzen (Von denen, die es überleben, kassiert die Stadt eine Geldstrafe). Tief unten rauscht das Meer bedrohlich, doch die Weite ermöglicht es mit ein wenig Glück, Wale und Delfine zu sehen.

Zeit um umzukehren, und am besten so mit der Fähre zurückfahren, dass die Sonne eben hinter der Harbour Bridge untergeht. Markant hebt sich dann die schwarze Silhouette der Brücke vor dem roten Hintergrund ab.

Dann geht’s in die Rocks gleich nebenan, ins historische Viertel von Sydney. Zwar sind die Preise hoch und nachts wird einem irgendwann einfach das Glas weggenommen, selbst wenn es noch gefüllt ist, weil die Kneipe abrupt schließt. Doch es gibt häufig Life Musik und internationales Publikum.

Wer lieber gepflegter feiert, nimmt ein Taxi, vielleicht ein gelbes Wassertaxi, oder spaziert zum Darling Harbour. Dieser Hafenabschnitt wurde ebenfalls zur Olympiade renoviert. Die Gegend war vorher recht schäbig. Jetzt überbieten sich die Interessenten mit Angeboten in Millionenhöhe für eine Ein-Zimmer-Wohnung mit Aussicht aufs Wasser und die bunten Lichter des inzwischen noblen Nachtlebens. Die Cargo-Bar ist beliebt, trotz erhöhter Preise. Hierher kommen schicke Menschen und hören laute Musik. Übrigens: In australischen Bars bestehen Türsteher oft auf Hemd und Krawatte für die Männer. Turnschuhe, Sandalen oder Jeans sind in vielen Bars tabu.

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