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2005 - ZEIT 2

DIE ZEIT (Online), Sonja Goernitz, commissioned series (Part 2/3), "Getting there - drei Tage in Sydney", January 2005

Getting there - drei Tage in Sydney

 
Sydney liegt weit weg von Europa in einer Bucht am Pazifik und ist das Ziel vieler Auswanderungswilliger. Hier verbinden sich wie in wenigen anderen Städten Wirklichkeit und Ideal. Für alle, die diesem Traum nahe kommen möchten: drei Vorschläge, wie man die Stadt in einem, drei oder sieben Tagen erobern kann. Oder sich von ihr erobern lässt.
 
Drei Tage geben einen Eindruck davon, was Sydney zu bieten hat. Am besten wählt man einen der beiden Top-Strände aus: entweder Manly (siehe "Stop Over – 24 Stunden in Sydney" ) oder Bondi Beach südlich der Stadt. Busse fahren von der Elizabeth Street am Hyde Park direkt zu dem Strand, wo die Beach-Volleyball-Spiele der Olympiade ausgetragen wurden.

Auch am Bondi Beach kann man Delfine sehen, wenn man sich rechts hält, den betonierten Pfad am Freibad entlang weitergeht (für Leute, die lieber in einem abgegrenzten Raum neben dem Strand schwimmen). So umrundet man eine Bucht, in der die Felsen bizarre Löcher haben und einige Männer auf den flachen Steinen angeln. Weiter oben am Weg genießt man die Aussicht auf den runden Strand links, das Meer unter sich und den Horizont in der Ferne.

Von dort aus führt der Weg weiter zu einem Strand nach dem anderen. Ein herrlicher Spazierweg am Meer entlang, mit Buchten, weißen Booten, türkisfarbenem Wasser und vielen Bade- und Picknickmöglichkeiten. Selbst einen Friedhof gibt es hier mit alten Gräbern und Grabsteinen. Ein Grab am Pazifik, hoch über dem Meer - wer möchte, findet hier viele Fotomotive zum Thema Vergänglichkeit. Oder man geht einfach schnurstracks weiter zum nächsten Strand, sucht sich einen aus, der am besten gefällt - Bronte Beach oder Coogee Beach, ganz einerlei. Von dort aus gibt es Busse zurück in die Stadt. Manchmal sieht man Männer mit Surfbrettern im Bus.

Am zweiten Tag, wenn der Jetlag nicht mehr ganz so plagt, kann man Sydneys Kultur genießen: Ein Besuch im Opernhaus, im Museum, zum Beispiel den Hyde Park Barracks, wo früher Strafgefangene einsaßen, dem Modern Contemporary Museum oder der Art Gallery mit vielen wertvollen alten Werken bieten ausreichend Möglichkeiten, um Eindrücke zu sammeln. Es gibt das Powerhouse Museum mit eher technischen Ausstellungsstücken. Die State Library of NSW beeindruckt mit Bücherregalen über drei offene Stockwerke, und im Govindas-Kino in Kings Cross kann man sich erst am All-You-Can-Eat-Buffet laben, um dann im Liegen auf Matratzen und Kissen einen Film zu sehen.

Wer schon mal in Kings Cross ist, einem Viertel mit regem Nachtleben, allerdings auch berüchtigt wegen der Drogen und der Prostitution, kann den Fahrstuhl im International Hotel nach ganz oben nehmen, dort einen Cocktail trinken und dabei die Aussicht auf das Opernhaus und die Harbour Bridge bestaunen.

Für Sportliche bietet sich eine Kletterpartie auf der Harbour Bridge an. Die Touristen einer Gruppe bekommen einen grauen Overall und werden angeschnallt. Sie steigen die Treppen der Brücke hinauf und können von dort oben fast so gut sehen wie Leute, die in Hubschraubern über der Stadt fliegen (Touristen oder Fernsehteams), oder Reisende, die im Flugzeug am Fenster sitzen und deren Einflugsschneise nahe der Innenstadt liegt. Die Bridge Climber queren hoch oben die Brücke, schauen auf die Autos, Busse und Bahnen in der Tiefe hinunter, sehen die riesigen Fahnen von Australien, den Aborigines oder des Roten Kreuzes an zwei Masten über sich und steigen die Treppen auf der anderen Seite wieder hinab. Manchmal sind drei Gruppen gleichzeitig auf der Brücke und wirken aus der Ferne wie Ameisen auf einem Ast.

Nach einem Tag am Strand und einem Tag in der Stadt bietet sich am dritten Tag eine Tour in die Berge an. Am besten bucht man dazu einen Platz in einem Kleinbus mit Fahrer, denn der begleitet den Unkundigen den gesamten Tag, während die Züge oft langsam - sie brauchen etwa zwei Stunden bis Katoomba in den Blue Mountains - und unpünktlich sind und natürlich ohne kundige Führung. Der Fahrer sammelt die Reisenden gegen sechs Uhr morgens ein, lässt sie dann entweder schlafen bis zur Ankunft im Westen der Stadt oder zeigt ihnen unterwegs die Kulissen des Olympischen Parks in der Ferne.

Von den vielen Routen in die Berge sucht man sich beim Buchen eine möglichst vielversprechende aus, zum Beispiel die zu den "Drei Schwestern", einer berühmten Felsformation mit drei überdimensionalen Spitzen - bestens für Fotos. Oder den sogenannten "Elvis Steig", der so viele Treppen hat, dass die Beine danach tatsächlich weich wie die des King of Rock’n’Roll sind. Oder den Aufstieg für Bequeme mit der steilen Bergbahn, die wie auf einem Jahrmarkt nahezu senkrecht hochfährt. Anschnallen bitte.

Der Nationalpark ist etwa so groß wie Belgien, bietet herrliche Aussichten und ähnelt ein wenig dem ganz großen Canyon in den USA - mit Klippen, Schluchten und Bäumen, die schlicht grün aussehen, bei bestimmtem Wetter jedoch blau wirken sollen, wegen des Eukalyptus, heißt es.

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